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30.11.17 09:28 Alter: 14 days

Studienreise zum Kinderdorf Umbele-Village

Bereich: HSBK Allgemein

Von: S.Geifes

Bautechniker fliegen nach Tansania – Studienreise zum Kinderdorf „Umbele Village“

Bautechniker fliegen nach Tansania – Studienreise zum Kinderdorf „Umbele Village“

Autor: Dr. Sascha Geifes

Einführung
Seit geraumer Zeit beteiligt sich das Hans-Sachs-Berufskolleg aktiv an der Planung und Errichtung des „Kinderdorfes Umbele Village“ in Tansania. Die Bearbeitung erfolgt in enger Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein „ZAC – Zebras Active Community“.
Konkret geht es dabei um die Erstellung technischer Planungen für unterschiedliche Bauwerke auf dem Areal des Kinderdorfes (siehe hierzu auch den Beitrag vom 03.10.2017 auf der Homepage des HSBK).

Gegenwärtiger Höhepunkt des Projektes war die 10-tägige Reise von drei Studierenden der Fachschule für Bautechnik unter Leitung ihres Fachlehrers Herrn Dr. Geifes nach Tansania.

Im Rahmen der Studienfahrt wurden folgende Ziele verfolgt:
 Kennenlernen der tansanischen Kooperationspartner
 Grobes Aufmaß, Inaugenscheinnahme und Fotodokumentation des Grundstücks
 Recherche zu Anforderungen im tansanischen Baugenehmigungsverfahren
 Recherche zu ortstypischen Baumaterialien und -konstruktionen
 Tansanisches Feedback zu den Grundrissentwürfen (Wohn-, Gemeinschafts- und Verwaltungsgebäude)

Das Baugrundstück und dessen Bebauung
Das seitens eines Teeproduzenten für das Kinderdorf bereitgestellte Hanggrundstück hat eine Gesamtfläche von ca. 45.000 m2. Das äußerst abgelegene Areal weist einen Höhenunterschied von mehr als 120 m auf und wird am unteren Ende durch einen Bachlauf begrenzt.
Mithilfe einfacher GPS-Geräte wurden die Grundstücksecken und ausgesuchte Landmarken vermessungstechnisch erfasst und eine grobe Kennzeichnung in Google-Earth vorgenommen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist eine Darstellung hier nicht möglich ist; unter Verwendung der folgenden Eckkoordinaten kann des Areal im Internet jedoch leicht gefunden werden:

Grundstücksecke E1 an der Straße:
37 MDQ 30152 40142 (Höhe = 1245 m)
Grundstücksecke E2:
37 MDQ 30064 40281 (Höhe = 1265 m)
Grundstücksecke E3 am Bachlauf:
37 MDQ 29729 40330 (Höhe = 1145 m)
Grundstücksecke E4 am Bauchlauf:
37 MDQ 29660 39967 (Höhe = 1163 m)
Grundstücksrand rechts R:
37 MDQ 29949 39938
Höchster gemessener Punkt Top:
37 MDQ 30074 40130 (Höhe = 1272 m)

Mithilfe des Autodesk® Revit® CADtoEarth® Zusatzmoduls, welches auf das 3D-Gelände in Cesium® zugreift, ist es gelungen, die topographischen Verhältnisse näherungsweise abzubilden. Gemeinsam mit den tansanischen Kooperationspartnern wurde auf dieser Grundlage ein erster städtebaulicher Entwurf für das Kinderdorf entwickelt (aus urheberrechtlichen Gründen wird hier auf eine Abbildung verzichtet).

Mauerwerksbau
Die ländlichen Siedlungsgebiete Tansanias sind durch zahllose Bauruinen geprägt (vgl. Abb. 1). Hintergrund ist, dass die Errichtung eines „Einfamilienhauses“mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann, weil immer dann weitergebaut wird, wenn wieder Geld vorhanden ist. Sobald eine Bewohnbarkeit einigermaßen sichergestellt ist, wird eingezogen, auch wenn das Bauwerk noch nicht fertiggestellt ist. So werden Festeröffnungen provisorisch mit Vorhängen verschlossen oder „lichtdurchlässig“ zugemauert; das Verputzen des Außenmauerwerk stellt, wenn überhaupt, den letzten Fertigungsschritt dar.

Abb.: 1: Unvollendete Wohnhäuser aus Ziegeln und Betonsteinen

Zudem konnte beobachtet werden, dass privater Wohnraum überwiegend in Eigenleistung geschaffen wird. Dies schließt sogar das Brennen von Ziegeln, aus den auf dem Grundstück vorhandenen tonhaltigen Böden, ein (siehe Abb. 2). Handversuche vor Ort zeigten eine inhomogene Ziegelqualität mit insgesamt geringer Festigkeit und Feuchtebeständigkeit. Neben dem Ziegelbau kommen traditionelle Lehmbauweisen sowie Betonsteine zum Einsatz. Letztere sollten mit Blick auf die für das Kinderdorf angestrebten Qualitätsstandards Verwendung finden.

Abb. 2: Ziegelherstellung auf der Baustelle

Feuchteschutz
Zentrales technisches Problem im regenreichen Baugebiet ist der konstruktive Feuchteschutz. Nahezu alle privaten Wohngebäude weisen speziell im Sockelbereich Schadensbilder auf, die geeignet sind, Eingang in die bautechnische Fachliteratur zu finden. Gespräche mit Bauingenieuren vor Ort zeigten, dass es in Fachkreisen nicht am technischen Know-How mangelt; die Häufung der Feuchteschäden ist eher im fehlenden Problembewusstsein und der fehlenden Sachkenntnis der „Selbstbauer“ zu finden. Vor diesem Hintergrund empfiehlt das HSBK einen tansanischen Bauingenieur oder Architekten mit der Bauleitung zu beauftragen. Bauarbeiter sollten Erfahrungen auf größeren, professionell geführten Baustellen gesammelt haben und im Hinblick auf die gewünschten Qualitätsstandards geschult werden. Die Beschäftigung deutscher Fachkräfte als ehrenamtlich tätige Volontäre könnte sich als sinnvoll erweisen.
Mit Blick auf die technische Umsetzung des konstruktiven Feuchtschutzes wird seitens des HSBK ein Arbeitspapier mit grundlegenden Empfehlungen bereitgestellt.

Dächer
In Tansania sind verschiedene Steildachformen gebräuchlich, wobei sich das Walmdach besonderer Beliebtheit erfreut. Dabei sind auch komplizierte Dachgeometrien keine Seltenheit. Dachtragwerke werden überwiegend aus Fachwerkbindern erstellt (siehe Abb. 3); Hintergrund scheint die gute Verfüg- und Handhabbarkeit kleiner Holzquerschnitte zu sein. Die Verwendung von Fachwerkbindern schließt die räumliche Nutzung von Dachgeschossen praktisch aus.
Bei der konstruktiven Durchbildung von Holzdetails konnten deutliche Unterschiede zu deutschen Standards festgestellt werden. Exemplarisch sei hier der Verzicht von Schwellhölzern an den Auflagerpunkten und die Windsogsicherung mittels Bindedraht an den darunter befindlichen Fensterstürzen genannt. Abb. 4 zeigt einen entsprechenden Detailpunkt.

Abb. 3: Dachkonstruktion Abb. 4: Detail Windsogsicherung

Die Kinderhäuser und das Gemeinschaftshaus
Im Rahmen der Studienreise haben die Studierenden Ihre Grundrissentwürfe für die Kinderhäuser und das Gemeinschaftshaus vorgestellt. Gemeinsam mit den tansanischen Kooperationspartnern wurden Anregungen zur Verbesserung erarbeitet, die bei den weiteren Planungen Beachtung finden werden. Konkrete Ergebnisse sind im Rahmen der Projektpräsentation im Februar 2018 zu erwarten.

Ausblick
Die Mitwirkung der Fachschule für Technik an der Planung des Kinderdorfes „Umbele Village“ ist auf Nachhaltigkeit angelegt. Die Bildungsgangkonferenz hat die Weiterarbeit im Rahmen von Projektwochen am Schuljahresende der Unterstufen beschlossen. Thema wird die Konzeptentwicklung für Touristenunterkünfte und ein Wohnhaus für den Leiter des Kinderdorfes sein. Zudem soll in einem späteren Bauabschnitt ein Werkstattgebäude errichtet werden. Seitens der Schulleitung wird die Bereitschaft zur Kooperation im Rahmen von Werkstattlehrerausbildung signalisiert.

Zusammenfassung
Die Studienreise nach Tansania stellte für die gesamte Reisegruppe eine vielschichtig beeindruckende Erfahrung dar. Aus schulischer Sicht ist die umfassende Förderung auf unterschiedlichsten Kompetenzebenen zu betonen. Bei allen Mitreisenden herrscht Einigkeit darüber, dass die folgende Frage wohl die interessantesten Beobachtungen zusammenfasst:

„Wie können Menschen, die so wenig haben, so glücklich sein?!“

Danksagung
 Zebras Active Community für die finanzielle Unterstützung und Logistik vor Ort
 Förderverein des Hans-Sachs-Berufskollegs für die finanzielle Unterstützung
 OStD Wintjes und StR Chiriatti vom Berufskolleg Ost der Stadt Essen für die Bereitstellung von Vermessungsgeräten und fachliche Beratung.
 Lutindi Mental Hospital für die Bereitstellung von Räumlichkeiten und konzeptionelle Beratung
 Petro Makange, Umbene Ayo und Florence Shemndolwa für die vorbildliche Betreuung vor Ort
 Korogwe Police Station für die gute Zusammenarbeit