Hans-Sachs-Forum "Hitlerjunge Salomon" fesselt die Schüler
"Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie die Sozialisten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialist.
Als sie die Juden einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte."
Martin Niemöller (* 14. Januar 1892 in Lippstadt; † 6. März 1984 in Wiesbaden
Geschichtsunterricht spannend und hautnah haben am 25. Februar rund 320 Schüler des Hans-Sachs-Berufskollegs erlebt. Der Jude Sally Perel, der "Hitlerjunge Salomon" war als Zeitzeuge in der Pausenhalle zu Gast.
" Wo blieb die christliche Erziehung zur Menschen- und Nächstenliebe?" fragte Perel, als er die Gräueltaten der Nazis schilderte und seinen Rausschmiss aus der vierten Klasse der Volksschule in Peine beschrieb, weil er Jude war.
Deutliche Worte findet der 85-jährige gegen den Recht
sradikalismus in Deutschland, gegen die " braune Gefahr". "Wir in der Hitlerjugend wurden zum Hass erzogen". Er berichtet von der entsetzlichen nationalsozialistischen Rassenkunde, dem Vergleich des Juden mit dem Satan, von der "arischen Rasse" als den "Herrenmenschen" und der Vernichtung seiner Angehörigen in Auschwitz.
"Du sollst leben" waren die letzte Worte seiner Mutter zu dem 14-jährigen, damals, als er mit seinem Bruder nach Ostpolen flüchtete und mit seiner Lüge, er sein Volksdeutscher, zur Wehrmacht und schließlich vier Jahr in einer Hitlerjugendschule nach Braunschweig kam.
Stockend berichtet er: "Ich musste das jüdische in mir verdrängen, ich wurde eine echter Hitlerjunge, der sich mit der nationalsozialistischen Ideologie identifizierte"
Der 85-jährige verdichtet seine Lebensgeschichte durch zwei Aussagen:
"Wer den Raum des Hasses betritt, betritt den Bereich der Irrtümer."
Die Schulfrage der gut vorbereiteten Jugendlichen unserer Schule beantwortet Sally Perel klar und eindeutig:
"Schuld ist nicht erblich, ihr werdet euch aber schuldig machen, wenn es wieder passiert"
Sally Perel kam zum vierten Mal in unsere Schule. Eine kurze Begrüßungsrede bot Gelegenheit, die traditionelle Zusammenarbeit der Hans-Sachs-Berufskollegs mit der Gedenkhalle Schloss Oberhausen, der Volkshochschule und des Antifaschistischen Bündnisses Oberhausen hervorzuheben. Die Wirtschaftsbetriebe Oberhausen (WBO), die Volkshochschule und die Energieversorgung Oberhausen hatten diesmal die Veranstaltung ermöglicht. Sally Perel, Dr. Geza Reitz, VHS und Stefan Zimkeit, Antifa , lobten neben der inhaltlichen Tiefe besonders die gute Vorbereitung und gelungene Organisation der Schulveranstaltung in den Händen von Herrn Kiedel, Herrn Wessels, Herrn Ziegler, Pfarrer Loos und Pater Sloot mit ihren Schülerinnen und Schülern und unserem Hausmeister, Herrn Tasli. Wir bitten alle Schülerinnen und Schüler und Kolleginnen und Kollegen um Verständnis, die aus Platzgründen diesmal leider nicht teilnehmen konnten.
Sally Perel, "Ich war Hitlerjunge Salomon", ist eingebunden in das Hans-Sachs-Forum. Ziel des Forums ist es gesellschaftliche Problemstellungen im Rahmen der Bildungsarbeit des Hans-Sachs-Berufskolleg zu bearbeiten und öffentlich zu machen.
Weitere Impressionen der Veranstaltung finden Sie in der Photogalerie.
